Währungen, Maße und Gewichte im Mittelalter


Mit Währungs-, Maß-, Gewichts- und anderen Einheiten war es im Mittelalter alles andere als ganz einfach und übersichtlich, so dass die Rechenmeister der damaligen Zeit hier ein weites Betätigungsfeld vorfanden. Auf dem vorliegenden Beitrag sind die im Jahre 1504 gängigen Einheiten zusammengestellt und in dessen Folge werden weitere Details erklärt und erläutert.

1. Gewichts- und Geldmaße1.1.
Geschichtliche Entwicklung Zum besseren Verständnis stelle ich zunächst die geschichtliche Entwicklung bis zum 14. Jahrhundert dar. Dabei zitiere ich wiederholt wörtlich aus Tropfkes Standardwerk (S. 91f):

Die Gewichtsmaße spielen im täglichen Leben als Mengen- und Wertmesser eine besonders wichtige Rolle in dreierlei Hinsicht: einmal war ein großes Gewicht nötig für schwere Lasten, dann ein mittleres für Waren des täglichen Bedarfs (z.B. Lebensmittel) und ein kleineres für feinere und wertvollere Dinge wie Gewürze oder auch Edelmetallstücke, die bei Preisen und Löhnen als Geldersatz dienen konnten.

Die Nürnberger Waage, 1497: Waagmeister, Knecht und Kaufmann, letzterer zahlt das Wiegen. Das römische Pfund (libra) zu 327,45g bildete mit seinen 12 Unzen die Grundlage für das mittelalterliche Gewichts- und Münzsystem.
Als Handelsgewichte wurden in der Karolingerzeit mehrere schwerere Gewichte verwendet, das Pfund von Troyes mit 131/2 römischen Unzen, das Kaufmannsgewicht poids de table mit 15 Unzen, das Pariser Pfund mit 18 Unzen sowie eines mit 16 Unzen (435,2g), das man für das vielgesuchte Pfund Karls des Großen hält. Dieses Pfund (libra, lira, livre = lb) ist zusammen mit dem Zentner (centenarius librarum, meist 100 Pfund) zum Handelsgewicht in Europa geworden.

Als ein neues Gewicht, besonders als Münzgewicht verwendet, erscheint die aus den skandinavischen Ländern stammende Mark (erstmals 857 in einer Urkunde gefunden). Ihr Gewicht war die 1/2 des Handelspfundes. Die Kölner Mark, die für den Handel in Europa maßgebend wurde, hatte ein Gewicht von ca. 237,5g. Sie war eingeteilt in 8 Unzen. Die Mark hatte also 16, das Pfund 32 Lot.

Neben dem Gewichtssystem hat Karl der Große auch das Münzsystem neu geordnet. Er ging von der Gold- zur Silberwährung über. Damit endete im 7. und 8. Jahrhundert die Goldprägung Mitteleuropas. In der Folge gab es nur eine Münzsorte, den Silberpfennig (denarius) und manchmal seine Teilwerte. Die vom 8. bis 14. Jahrhundert währende Epoche nennt man daher "Pfennigzeit". Es wurden aus 1 Pfund Feinsilber 240 Silberpfennige geschlagen, von denen 20 auf einen Solidus (Schilling, franz. sou) gingen. In Süddeutschland wurde 1 Pfund zu 8 langen Schillingen zu je 30 Pfennigen gerechnet.

Als der im 13. Jahrhundert zunehmende Großhandel mit dem Ausland (bei Stoffen, Gewürzen, Metallen) ein größeres Zahlgeld verlangte, tritt wieder das Goldgeld auf, zuerst bei Kaiser Friedrich II. In Florenz wurde 1252 der Gulden (florenus = fl) geprägt, in Venedig 1284 der Dukaten, in Deutschland im Jahr 1356 unter Karl IV der Gulden = 240 Heller (Pfennige).

Der Gulden wurde bis 1532 mit gleichem Münzbildnis und gleichem Feingehalt geprägt, das Bildnis des wertgleichen Dukaten blieb bis 1797 unverändert. Eine Ausprägung erfolgte im 14. Jahrhundert von vielen Münzherren auch nördlich der Alpen, u.a. von den vier in einem Münzverein zusammengeschlossenen Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und Pfalz. Dabei wurden 66 rheinische Goldgulden auf das Gewicht einer Kölner Mark Gold gerechnet. Dieser rheinische Gulden setzte sich im Reich als einigermaßen stabiles Handelsgeld durch (Anmerkung: der Gulden erfuhr eine Wertminderung von 3,35g Feingold im Jahr 1386 auf 2,5 g im Jahr 1490), mit dem die Pfennige der verschiedenen Landeswährungen in Beziehung gebracht wurden. Auch Schilling und Heller in Gold wurden beim Großhandel zur Vermeidung der Entwertung rechnungsmäßig notiert; sie wurden aber nicht als Münzen geprägt. Für sie galt die Relation 1 fl = 20 ß = 240 Heller im Grunde.

Ebenfalls weit verbreitet waren der ungarische Gulden (Dukaten), der von gleichem Wert wie der Florentiner Gulden war, und der dem rheinischen Gulden wertgleiche Apfelgulden, auf dem der Reichsapfel abgebildet war. Der Kurs zwischen rheinischen und ungarischen Gulden schwankte laufend. Einzelne Rechenaufgaben in verschiedenen Rechenbüchern (Algorismus Ratisbonensis, Bamberger Rechenbücher, Johannes Widmann, Adam Ries u.a.) geben unterschiedliche Verhältnisse an. Beispielsweise entsprechen im zweiten Rechenbuch von Adam Ries 100 ungarischen Gulden bei den einzelnen Rechenaufgaben 124, 129, 1291/2, 1311/4, 1321/3, 1321/2, 1331/3, 134, 135, 1361/4, 1387/10, 1388/9 und 1417/20 rheinische Gulden.

Der Wittenberger Rechentisch
Wie Nürnberger Pfennige in Wiener Pfennige umgerechnet werden, sieht man bei einer Aufgabe in Widmanns Rechenbuch von 1489:
"7 wiener gelten 9 lintzer, vnd 8 lintzer gelten 11 bassawer, vnd 12 bassawer gelten 13 vilßhofer, vnd 15 vilßhofer gelten 10 regenspurger, vnd 8 regenspurger gelten 18 neumercker, vnd 5 neumercker gelten 4 nuernberger."

Die Abrechnung erfolgt nach Einschaltung der Linzer, Passauer, Vilshofener, Regensburger und Neumarkter Pfennige. (Anmerkung: Danach entsprechen 560 Wiener Pfennigen 1287 Nürnberger Pfennige).

Der Kleinhandel wurde dagegen in "Münz" durchgeführt, und hier war die Grundeinheit der Pfennig (denarius), der nach Zeit und Ort gegenüber dem Gulden großen Schwankungen unterworfen war. In Nürnberg wurden für den Gulden bezahlt:
150 Pfennig im Jahr 1441, 174 Pfennig im Jahr 1457, 220 Pfennig im Jahr 1463, 240 Pfennig im Jahr 1471 und 252 Pfennig im Jahr 1484. (siehe K. Vogel)

Zahlgeld für den Kleinhandel blieben immer die Landesmünzen Pfennige, Heller und die vielen anderen, die im Laufe der Zeit noch dazukamen wie der böhmische Silbergroschen (der Dickpfennig zu 7 oder 8 Pfennig), der Albus oder Weißpfennig, der Taler zu 24 Groschen á 12 Heller, der Kreuzer entsprach 1/60 Taler.

Die größte Bedeutung hatte der Groschen (lat. grossus = dick, denarius grossus = dicker Pfennig). Üblicherweise bedeutete er 12 Pfennig, es gab aber auch Groschen zu 7, 8, 9, 10 und 15 Pfennig. Bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts war ein Groschen 1/21 des Goldguldens, nach 1570 1/24 des Talers.

Einige weitere Namen sollen kurz erläutert werden (siehe K. Menninger II, S. 170f):
Der Heller hat seinen Namen von der Stadt Schwäbisch Hall, wo er erstmalig unter Friedrich Barbarossa in der dortigen Reichsmünze geprägt wurde. Urkundlich treten die Heller zuerst 1200 und 1208 auf (siehe Schrötter). Im 14. und 15. Jahrhundert wurde der Silberfeingehalt der Münze so weit verringert, dass der Heller nur noch einen halben Pfennig repräsentierte.
Ausgewogen: Die meisten Kaufleute glichen mit solchen Goldwaagen das Gewicht unterschiedlicher Münzprägungen ab. Den Stachel steckte man in die Schreibtischplatte.
Der Kreuzer wurde zuerst in Südtirol im Jahr 1271 geschlagen. Bei ihm ist ein Kreuz aufgeprägt. Ab 1458 wurde der Kreuzer von Österreich geprägt. 1 Kreuzer entsprach 4 Pfennig und 60 Kreuzer einem Gulden. Die Kreuzerwährung drang weiter nach Süddeutschland vor. In Erfurt gab es seit 1480 als geringste Münze den Scherf. Die silberne Scheidemünze Batzen war angeblich am Ende des 15. Jahrhunderts zuerst in Bern mit dem Bild des Bären ("Bätz") geschlagen und wird seit 1498 zuerst in Deutschland erwähnt. 1 Batzen entsprach 4 Kreuzer und war 1/15 Gulden. Die erste Talermünze überhaupt wurde 1486 in Hall in Tirol geprägt. Aus dem Silber von Joachimstal im Erzgebirge wurde 1519 der erste Joachimstaler Guldengroschen geschlagen, der abgekürzt als Taler in viele Länder Europas gewandert ist (Dollar in USA). Ursprünglich war der Taler in Süddeutschland das Silberäquivalent des Goldguldens im Wert von 21 Groschen bzw. 60 Kreuzer. Dieser Wert variierte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die verbreiteten Münzwährungen in Norddeutschland der Taler und Groschen oder Albus und in Süddeutschland der (silberne) Gulden und Kreuzer, wobei einem Gulden zunächst 60 Kreuzer, später 72 Kreuzer und dann wieder 60 Kreuzer entsprachen. "Durch die Reichsmünzordnung von 1559 war der silberne Reichsguldiner zu 60 Kreuzern geschaffen worden, womit sich Deutschland in die Taler- und Guldenländer schied (Schrötter)".
Die Benutzung eines Rechentischs
1.2. Beispiele Einige Kostproben von regionalen Münzen aus einem Ries-Rechenbuch von 1574:

"Franckfurter Muentz.
1 Albus oder Weißpfennig hat 8 d. Item 1 Gulden hat 27 Albus. Item 1 Schilling hat 9 d. Item 1 Gulden hat 24 ß. Item 1 Gulden hat 216 d.

Muentz zu Nuerenberg / auch in Francken / Dueringen / vnd Meissen.
1 Gulden hat 252d. Item 30 Pfennig ist 1 Pfund (lb). Item 1 Gulden hat zu Nuerenberg vnd Francken 8 lb 12 d. 1 Groschen hat 12 Pfennig, 1 Gulden hat 21 Groschen. Item 15 Batzen ist 1 Gulden.
1 Batz hat 4 Kreutzer. Item 60 Kreutzer thun ein Gulden".


Ein Kreuzer galt zu Frankfurt 3 Pfennig, zu Nürnberg 41/5 Pfennig, in Österreich 4 Pfennig und in Schwaben 31/2 Pfennig.
1.3. Gewichte Auch die Gewichte fielen regional sehr unterschiedlich aus. Bei Adam Ries bzw. im Algorismus Ratisbonensis entsprachen 100 Nürnberger Pfund 73 Kölner Pfund, 75 Egerer Pfund, 96 Pfund in Regensburg, 110 Leipziger Pfund, 116 Pfund in Brügge, 128 Breslauer Pfund, 166 Venezianische Pfund und 233 Pfund von Padua.

Ursprünglich entsprachen 100 Pfund einem Zentner, ab etwa 1500 traten üblicherweise 110 Pfund für einen Zentner auf.

Ein größeres Handelsgewicht war die Tonne (gemeint war damit ein Fass) mit örtlich erheblich variierenden Unterteilungen und Wert. Sie wurde beispielsweise bei Butter, Heringen und Tran verwendet. In Hamburg war eine Tonne Butter 224 Pfund (entsprach 108,575 kg), in Lübeck 224 Pfund (entsprach 135,718 kg) und in Bremen 216 Pfund.

Zwischen Zentner und Pfund liegt die Gewichtseinheit Stein. Die 1504 gängige Umrechnung war 1 Zentner entsprach 5 Stein, 5 Stein entsprach 110 Pfund, dass heißt, 1 Stein entsprach 22 Pfund. Auch diese Umrechnungen schwankten, so traten bei Adam Ries für einen Zentner neben 5 Stein auch 5 Stein, 7 Pfund und 6 Stein auf.

Kleinere Gewichte waren:
Das Lot (1 Pfund entsprachen 32 Lot, 1 Mark entsprachen 16 Lot), das Pfenniggewicht (1 Quent entsprachen 4 Pfenniggewichten) und das Hellergewicht (1 Pfenniggewicht entsprachen 2 Hellergewichten).
Lübecker Roggenscheffel aus dem 15. Jahrhundert und ineinandergestellte Gewichte in eimerförmigen Gehäuse, von Rothschmieden in Nürnberg aus Messing hergestellt.
Bei Edelmetallen fanden die Einheiten Mark, Karat, Gran und Grän Verwendung.
Das Pfund fand auch noch Verwendung als Zählmaß für Eisenstreifen (Nägel).
1 Pfund Eisen entsprach 240 Schienen Eisen.

2. Weitere Maße
2.1. Hohlmaße
Hier gibt es regional und zeitlich ebenfalls erhebliche Unterschiede.
Ein Fuder ist das Volumenmaß, das ursprünglich von der Ladung (Fuhre) eines zweispännigen Wagens abgeleitet ist. Üblicherweise ergab bei Wein, Bier und auch Met ein Fuder 12 Eimer. Im Herzogtum Württemberg, samt der Reichstadt Esslingen, hatte ein Fuder nur 6 Eimer, neckarabwärts in der Reichsstadt Heilbronn waren es dagegen 20 Eimer. Dafür war ein Eimer in Württemberg 160 Maß, in Heilbronn dagegen nur 24 Maß. Somit besaß das Fuder in Württemberg 960 Maß und in Heilbronn 480 Maß. In Bayern entsprach einem Eimer 60 Maß ("nach der Visier") oder 64 Schenkmaß in Leipzig 54 Maß ("an der Visir") bzw. 58 Schenkmaß und "zu Nuerenberg, Wuertzburg vnd darumb 64 Maß nach der Visier vnd Eich vnd 68 schenckmaß".

Bei Adam Ries kamen auf einen Eimer 64 bzw. 72 Viertel, bei Johann Albert 64 Kandel. Eine Kanne hatte regional unterschiedlich einen Inhalt zwischen 0,9 Liter und 2,6 Liter. Die Einheit Tonne taucht hier auch auf und war 4, 5 oder 6 Eimer. Weitere regionale Einheiten waren Ime, Stübbich und Össel. In Lübeck galt 1556:
ein Fuder 6 Ame, 1 Ame waren 40 oder 48 Stoeveken und 1 Stoeveken 4 Quarteer.

In Frankfurt galten folgende Zusammenhänge:
1 Fuder entsprach 6 Ohm, 1 Ohm entsprach 20 Viertheil, 1 Viertheil entsprach 4 Maß, 1 Maß entsprach 4 Echtmaß "80 Maß ist 1 Ohm zu Franckfurt / nach der Eich vnd Visier. Item 90 Maßthun 1 Ohm / so man schenckt".

Für Bretten (Baden), damals 1504 Brettheim genannt, ist interessant, was der Nürnberger Caspar Hützler 1547 in seinem niederdeutschen Rechenbuch schreibt:
"Tho Heidelberge / Spire / vnd vmme desuelven grentze / is. 10 Ame / eyn Voeder. 12 Verndel/ eyn Aem. 4 Mate eyn Verndel. 480 Mate / eyn Voeder".
Übersetzt:
1 Fuder entspricht 10 Eimer, 10 Eimer entspricht 480 Maß, 1 Eimer entspricht 12 Vierteil, 1 Vierteil entspricht 4 Maß.

Bei Getreide gab es wiederum andere Volumenmaße. Vorzugsweise in Mittel- und Norddeutschland verwendete man den Wispel, den Malter (1 Wispel entspricht 2 Malter), den Scheffel (1 Wispel entspricht 24 Scheffel) und die Metze (1 Scheffel entspricht 16 Metzen). Ein Scheffel betrug zwischen 23 Liter und 222 Liter.
Maße für Mauer-, Dach- und Firstziegel in Freiburg / Breisgau, 15. Jahrhundert. Sie dienten als Größenvorlagen und wurden so angebracht, dass sich der Käufer von Baumaterial über die ordnungsgemäße Einhaltung der vorgeschriebenen Größe überzeugen konnte.


2.2. Längenmaße

Die Längenmaße waren an frequentierten Örtlichkeiten gut sichtbar befestigt, so auch die Luzerner Elle von 1373.

2.3. Entfernungen

Große Entfernungen wurden in Meilen angegeben, die regional ebenfalls erheblich differierten. Beispiele für Entfernungsangaben:
  • Wien - Regensburg 60 Meilen (im Algorismus Ratisbonensis),
  • Regensburg - Erfurt 40 Meilen (bei Adam Ries),
  • nach Rom (von Annaberg) 300 Meilen (bei Adam Ries),
  • Leipzig - Nürnberg 36 Meilen (bei Johann Albert).

Einige weitere Längenmaße sind Elle, Fuß Schuh, Rute und Klafter, die teilweise auch als Flächenmaße Verwendung fanden. In Frankfurt beispielsweise galt:
12 Schuh entspricht 1 Rute, 160 Ruten entspricht 1 Morgen, 30 Morgen entspricht 1 Hubland.
Bei astronomischen Messungen werden Zaichen, Grad und Minuten verwendet.
2.4. Bei Kleidung Stoffe wurden in Ellen (abgeleitet von der Länge des Unterarms) gemessen. Jede deutsche Stadt hatte ihr eigenes Ellenmaß (die Augsburger Elle klein 59,24 cm, groß 61,00 cm, die Erfurter Elle klein 40,38 cm, groß 54,97 cm, die Frankfurter Elle 54,73 cm, die Leipziger Elle 56,60 cm, die Nürnberger Elle 66,10 cm usw.). Es war dabei nicht ungewöhnlich, wenn in einer Stadt mehrere unterschiedlich große Maße von der gleichen Art nebeneinander verwendet wurden.
In Rechenaufgaben bei Johann Albert entsprechen einem Tuch 28, 29, 33, 36, 39 und meistens 32 Ellen. Und 1 Saum wiederum ergibt 22 Tücher.

In speziellen Fällen dienen auch Begriffe wie Damast, Barchent (aus Leinen und Baumwolle dicht gewirkter starker Stoff), Harrass (leichtes Wollgewebe), Satin und Zwillich (grobes Leinentuch) als Längenmaße.


2.5. Spezielle Maße

Bei Büchern bzw. Papier gibt es die Einheiten Ballen, Ries (1 Ballen = 10 Ries), Buch (1 Ries = 20 Bücher) und Bogen (1 Buch = 25 Bogen).
Unterschiedliche Getreidemaße in Greyerz / Gruyères, Kanton Fribourg

Für bestimmte Waren gab es handelsübliche Lieferformen, z.B. ein:
  • Bund (bei Heu und Stroh),
  • Fass (bei Alaun, Schweinefett, Unschlitt, Weinstein),
  • Fässchen (bei Öl und Seife),
  • Korb (bei Feigen),
  • Kübel (bei dem Thüringer Blaufärbemittel Waid),
  • Posten (bei Silber),
  • Sack (bei Kalmus, Mandeln, Baumwolle, Schafwolle, Lorbeer, Nelken, Pfeffer),
  • Scheibe (bei Wachs),
  • Seite (bei Speck),
  • Stumpf (bei Safran) und
  • Tonne (bei Butter, Honig, Hering und Tran) in den Rechenbüchern von Albert und Ries.
Von links nach rechts: Passauer Eichmaß von 1475, Passauer Eichmaß von 1480, Lübecker Eichmaß für ein Stübchen Wein 1487, Lübecker Eichmaß für ein halbes Stübchen Bier 1487.

Für viele Zahlen gab es Stückmaße, die teilweise nur bei bestimmten Waren benützt wurden. Solche Maße sind für 10 (Decher bzw. Techer), für 12 (Dutzend), für 15 (Mandel), für 20 (Stig), für 40 (Zimmer) und für 60 (Schock).

3. Rechenpfennige

Eine numismatische Besonderheit stellen die Rechenpfennige dar. Sie sind die Hilfsmittel, die man im Mittelalter benutzte, um das Rechnen auf der Linien am Rechentisch, Rechenbrett oder auf dem Rechentuch durchzuführen, was man mit dem Rechnen auf dem Abakus vergleichen kann. Diese "alte" Methode wurde um 1504 immer mehr von der "neuen" schriftlichen Methode, dem Rechnen mit der Ziffer oder Kreiden, mit Verwendung der indisch-arabischen Ziffern abgelöst. Die Rechenpfennige entstanden als münzähnliche Stücke ohne Geldwert in der Zeit der umfangreichen Metallgewinnung und wurden im 14. Jahrhundert im Abendland fast eine "massenhafte" Modeerscheinung. Dahinter steckte die Tatsache, dass der zunehmende Handel umfangreicheres Rechnen erforderte.

Quellen:
  • Johann Albert: Rechenbüchlein auff der linien, dem einfeltigen gemeinen man odder leien vnd jungen anhebenden liebhabern der Arithmetice zu gut, Wittenberg 1534
  • Johann Albert: New Rechenbüchlein auff der Federn, Wittenberg 1541
  • Peter Apian: Eyn Newe vnnd wolgegründte vnderweysung aller Kauffmanß Rechnung, Ingolstadt 1527
  • Franz Brasser: Eyn nye vnde Nuetsam Reckensboeck vor de anfangenden schoelers, 2. Auflage Lübeck 1556
  • Johannes Böschenstain: Ain neu geordnet Rechenbüchlein, Augsburg 1518
  • Stefan Deschauer: Das zweite Rechenbuch von Adam Ries, Braunschweig 1992
  • Caspar Hützler: Eyn behende vnd kuenstrike Rekensbock vp allerley koephandele, Lübeck 1547
  • Helmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte, Mannheim 1987
  • Richard Klimpert: Lexikon der Münzen, Maße, Gewichte, Berlin 1896
  • Arnold Luschin von Ebengreuth: Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit. 2. Auflage München und Berlin 1926 (= Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte. Abt.4.)
  • Karl Menninger: Zahlwort und Ziffer, Band II: Zahlschrift und Rechnen, Göttingen 1958
  • Michael North: Geldumlauf, Währungssysteme und Zahlungsverkehr in Nordwesteuropa 1300 - 1800. Beiträge zur Geldgeschichte der Hansezeit, Köln / Wien 1989
  • Adam Ries: Rechnung auff der linihen, Erfurt 1525 {1. Rechenbuch, 2. Auflage)
  • Adam Ries: Rechenung auff der linihen vnd federn, Erfurt 1522 (2. Rechenbuch, 1. Auflage)
  • Heinrich Schreyber: Eynn kurtz newe Rechenn vnnd Visyr buechleynn, Erfurt 1523
  • Friedrich Frhr. v. Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin / Leipzig 1930
  • Martin Stötter: Ein schoen nutzlich Rechenbuechlin auff allerlei kauffmans rechnung, Tübingen 1552
  • Johannes Tropfke: Geschichte der Elementarmathematik, 4. Auflage, Band 1, Berlin 1980
  • Kurt Vogel: Die Practica des Algorismus Ratisbonensis (um 1460), München 1954
  • Kurt Vogel: Das Bamberger Blockbuch (1471-1482), München 1980
  • Kurt Vogel: Das älteste deutsche gedruckte Rechenbuch Bamberg 1482, Stuttgart 1988
  • Ulrich Wagner: Das Bamberger Rechenbuch von 1483, Weinheim 1988
  • Manfred Weidauer: Rechenpfennige - Hilfsmittel der Rechenmeister, Annaberg-Buchholz 1993
  • Johannes Widmann: Behend vnd hüpsch Rechnung vff allen Kauffmanschafften, Leipzig 1489
  • Dokumentation im Stadtmuseum Schongau (sehenswerte wertvolle Münzsammlung!)

Erarbeitet und zusammengestellt von:
Text: Ulrich Reich, aus der Gruppe "Gelehrte und Gereiste"
Layout: Andreas Biolcati

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